mini|Wappen der Landsmannschaft Schottland

Die Landsmannschaft Schottland ist eine pflichtschlagende Studentenverbindung, die 1849 an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen gestiftet wurde.Werner Kratsch: Das Verbindungswesen in Tübingen. Gulde-Druck, Tübingen 1977, S. 57 f.Paul Wentzcke: Geschichte der Deutschen Burschenschaft. III. Band: Die Zeit des Progresses. Von 1833 bis 1859. Heidelberg 1965, ISBN 3-8253-1343-3, S. 207. Ihre Mitglieder werden „Schotten“ genannt.

Couleur und Wappen Schottland trägt die Farben blau-gold-rot mit goldener Perkussion; dazu wird eine blaue Mütze getragen. Im Sommersemester besteht die Option, einen blauen Seidenstürmer zu tragen. Die Füchse tragen ein Band in den Farben blau-rot, ebenfalls mit goldener Perkussion. Die Farben wurden als Reminiszenz an das Haus Stuart gewählt.

Der Wappenschild ist geviert und mit einem Mittelschild belegt. Es zeigt (heraldisch) rechts oben eine goldene Leier, durchstreckt von einem weißen Rotulus. Links oben das Bundeszeichen mit gekreuzten Korbschlägern im Laubkranz sowie die Anfangsbuchstaben V.A.F.V. des Mottos Vera amicitia fructus virtutis („Wahre Freundschaft ist die Frucht der Tugend“). Rechts unten zeigt es in blau eine goldene Laubkrone, auf der ein rechts laufender roter Löwe (‚Lion passant‘) steht. Links unten im sechsfach geteilten Feld die Farben. Der Mittelschild enthält Schwarz in Weiß den Zirkel.

Der Wahlspruch lautet Amicitia honos virtus (Freundschaft – Ehre – Tugend).

Geschichte mini|Einer der Stifter, Otto v. Richter als Student Die heutige Landsmannschaft Schottland geht auf eine regelmäßige Zusammenkunft von Studenten aus Marbach am Neckar zurück. Am 19. November 1849 wurde der Beschluss gefasst, dem bislang formlos tagenden Kränzchen eine organisatorische Grundlage zu geben, insofern gilt dieser Tag als Stiftungsdatum. Der Name Marbacia, den sich die Gesellschaft inoffiziell beigelegt hatte, wurde nach außen hin nicht bekannt. Im Sommersemester 1850 wurde das Kneiplokal vom „Rene“ in die „Schottei“ verlegt, die nach ihrem Inhaber Carl Schott benannt war. Auf einem Convent im Juni 1852 wurde beschlossen, dass sich die Gesellschaft einen offiziellen Namen zulegt. Der Name „Schottland“ war schon bald nach der Verlegung der Kneipe in die „Schottei“ aufgetaucht und die Bezeichnungen Schotten, Schottland, Schottländer beziehungsweise Schottlandia hatten sich in Tübingen bereits etabliert, infolgedessen nannte sich die Gesellschaft fortan Schottland.Eugen Heck: Schottland sei’s Panier! In: Tübinger Blätter, Jg. 51 (1964), S. 119 ff.

Nachdem sich Schottland 1855 Farben zulegte, stand im Wintersemester 1860/61 der erste Schotte auf Mensur. Hierzu musste er vorübergehend austreten und focht auf die Waffen des Corps Franconia. Im Oktober 1884 ist die unbedingte Satisfaktion beschlossen worden.Richard Fick (Hrsg.), Hanns von Gumppenberg: Auf Deutschlands hohen Schulen: Eine illustrierte kulturgeschichtliche Darstellung deutschen Hochschul- und Studentenwesens. Thilo, Berlin/Leipzig 1900, S. 317.

Als Gegengewicht zum Tübinger Senioren-Convent wurde 1865 ein weiterer Senioren-Convent gegründet, in dem sich die weiteren Tübinger Verbindungen – Germania (bis 1866), Normannia, Roigel, Wingolf, Guestfalia, Schottland und Staufia (bis zu ihrer Auflösung 1868) – zur Wahrnehmung ihrer Interessen zusammenschlossen.Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1996. ISBN 3-7995-3236-6. S. 143ff. Nach dessen Auflösung im Jahr 1881 gründeten Guestfalia, Normannia (bis 1889 Mitglied) und der Wingolf einen bis 1891 bestehenden Chargierten-Convent, dem zeitweise auch Schottland, Hohenstaufia und der Roigel angehörten.

1905 kam der Plan eines interkorporativen Zusammenschlusses aller Tübinger Verbindungen auf, wobei vor dem Hintergrund des akademischen Kulturkampfs und der Frage der Gleichberechtigung der katholischen Verbindungen von den Corps, Schottland, Ghibellinia, Ulmia, Igel, Saxonia, Stuttgardia, Virtembergia und dem VDSt ein zweiter Studentenausschuss gegründet wurde. 1907 entstand dann mit dem „Ausschuss Vereinigter Tübinger Korporationen“ eine gemeinsame Organisation, der auch Schottland angehörte, nachdem die katholischen Verbindungen Guestfalia, Alamannia und Unitas-Cheruscia durch Beiträge in der überregionalen Presse (Schwäbischer Merkur, Germania und Kölnische Zeitung) ihre vaterländische Haltung betont und zugleich Kritik an den von der Zentrumspartei dominierten Katholikentagen geäußert hatten.Alfred Vollmar: Geschichte der akademischen Verbindung Guestfalia zu Tübingen von 1859–1909. Ulm 1909, S. 215 Über ihre Verbindungen waren etwa zwei Drittel der Studenten in dem Ausschuss vertreten.Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-3236-6, S. 211.

Im August 1902 wurde Schottland als Landsmannschaft in dem Coburger LC rezipiert, dessen Präsidium sie in den Jahren 1906/07 sowie 1930 führte.Jürgen von Malottki und Hans-Jochen Haspel (Hrsg.): Coburger Convent – Handbuch. Band II, CC-Rat/Selbstverlag, Bonn 1976, S. 221. Trotz des Verlustes vieler Mitglieder konnte die Landsmannschaft den Aktivenbetrieb während des Ersten Weltkrieges aufrechterhalten.

Mit dem allgemeinen Verbot von Studentenverbindungen im Jahr 1935 wurde der aktive Bund aufgelöst. Zusammen mit der Sängerschaft Zollern und zunächst noch der Landsmannschaft Ulmia wurde zwangsweise eine Kameradschaft gebildet, in der korporationsstudentische Traditionen jedoch heimlich weiter gepflegt wurden. Mitglieder dieser Bünde sind zum jährlichen Erntedienst nach Ostpreußen entsandt worden. In Anlehnung daran nannte sich die Kameradschaft daher Ostland. Die Altherrenschaft Schottlands unterhielt Kontakte zu dieser Kameradschaft, die bis 1948 fortbestand. Nach dem Krieg besetzte zunächst das französische Militär (Sanitätskompanie) und später die Tübinger Forstverwaltung das Verbindungshaus.

Im Wintersemester 1948/49 erfolgte unter dem Namen Akademische Verbindung Marbach die Rekonstitution. Der Name Landsmannschaft Schottland ist 1953 wieder eingeführt worden, und die Verbindung war forthin Mitglied im Coburger Convent.

1987 oblag Schottland abermals das Präsidium des Coburger Convents. Bezeichnenderweise musste die Landsmannschaft Schottland in ihrer Geschichte niemals in Ermangelung von Aktiven suspendieren.

Seit April 2022 unterhält Schottland ein Freundschaftsverhältnis mit der Landsmannschaft Nibelungia Marburg.

Selbstverständnis Die vom Liberalismus geprägte Constitution „deren Fundament Freundschaft ist“ betont neben der akademischen Leistung die Verpflichtung jedes Einzelnen, den eigenen – als gut erkannten – Überzeugungen zu folgen, eindeutig Stellung zu beziehen und danach zu handeln, unabhängig von der Reaktion der Umwelt. Sowohl politische als auch religiöse Tendenzen liegen ihr fern.

Schottenhaus miniatur|Hausansicht von der Gartenseite Im 19. Jahrhundert mietete Schottland zunächst Nebenräume von Gaststätten als Konstante, die oftmals nach den Besitzern genannt wurden. Diese Quartiere wechselten wiederholt. Das Verbindungshaus Schottlands in der Schwabstraße 20 auf dem Tübinger Österberg ließ die Altherrenschaft zwischen 1903 und 1905 im historistischen Stil eigens für seinen Zweck errichten.Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 110. Das von dem Stuttgarter Architekten Arthur Müller konzipierte Haus zeigt die Formen der Frührenaissance.Neudeutsche Bauzeitung, Illustrierte Wochenschrift für Architektur und Bautechnik. Jg. 1907, Kühnels Verlag, Leipzig 1907, S. 298 f.Blätter für Architektur und Kunsthandwerk. 55. Jahrgang, J. Becker, Berlin 1907. Erweiterungsbauten erfolgten in den Jahren 1928 und 1957:

Einzelne Schotten miniatur|August Hedinger In alphabetischer Reihenfolge Carl Bauer (1876–1947), Verwaltungsjurist Max Walter Bausenhart (1907–1994), Verwaltungsjurist Wolfram Bergerowski (1936–2009), Richter und Parlamentarier Arthur Blumenthal (1874–1939), Gynäkologe Georg Bretschneider (1901–1995), Vizepräsident des Bundesrechnungshofes Paul-Gerhard Blochwitz (1907–1990), Generalstaatsanwalt Alexander von Bulmerincq (1909–1945), Orientalist Rudolf von Burk (1841–1924), Generalarzt Karl-Adolf Deubler (1888–1961), Jurist, ehemaliger Präsident des Sportvereins VfB Stuttgart Karl von Doll (1834–1910), Schriftsteller Eugen Englisch (1869–1905), Photochemiker, Professor für Photographie Rolf Emmrich (1910–1974), Internist, Ordinarius für Medizin in Leipzig Eugen Feihl (1889–1964), Journalist und Diplomat Rainer Fetscher (1895–1945), Mediziner und Erbforscher Ettore Ghibellino (* 1969), Jurist und Schriftsteller Andreas Graeber (* 1952), Althistoriker Wilhelm Haddenhorst (1940–1992), Strafverteidiger Eugen Heck (1897–1987), Oberstudienrat; Commandeur des Ordre des Palmes Académiques August Hedinger (1841–1910), Mediziner und Anthropologe Richard Heine (1890–1991), Arzt Robert Held (1875–1938), Präsident des Württembergischen Verwaltungsgerichtshofes Hermann Klamt (1884–1950), Jurist und Mitglied des Preußischen Landtages Georg Kleinschmidt (* 1938), Geologe und Polarforscher Erich Klotz (1907–1962), Rechtsanwalt und Oberbürgermeister von Geislingen Herbert Kolb (1922–2009), Mediziner und Hochschullehrer (aktiv bei Ostland) Benno Kühn (1865–1949), Geologe Gerhard Mahler (1930–1996), Unternehmer und Politiker Martin Maneke (1909–1998), Pädiater Paul Manasse (1866–1927), Laryngologe Emil Marquardt (1879–1953), Verwaltungsjurist und Regierungsdirektor Hans Marquardt (1910–2009), Botaniker Friedrich Graf von Medem (1912–1984), Zoologe (aktiv bei Ostland) Franz Mederle (1893–1955), Rechtsanwalt und Kommunalpolitiker Adolf von Miller (1838–1913), Richter Hans-Peter Mißmahl (1920–2008), Internist Willy Mißmahl (1885–1964), Chirurg Ernst von Mohl (1849–1929), Klassischer Philologe, Professor in Sankt Petersburg Heinrich Münzenmaier (1883–1975), Jurist, Präsident der LVA Württemberg Walter Nickel (1902–1973), Jurist, Präsident der Braunschweigischen Staatsbank und der Staatsbank der Freien Stadt Danzig Gustav Oertle (1892–1986), Paläontologe Gerhard Ott (1929–2001), Chirurg und Hochschullehrer Horst Penner (1910–2002), Historiker Werner Rau (1927–2013), Botaniker und Hochschullehrer Constantin von Renz (1839–1900), Regierungspräsident Hugo Restle (1928–2011), Volkswirt, Vorstandssprecher der Agrippina Versicherungs AG Friedrich von Riekert (1841–1900), Regierungsrat und Mitglied des Deutschen Reichstages Jonathan Roth (1873–1924), Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstages Hans-Ulrich von Ruepprecht (1911–2006), Richter und Heraldiker Emil Scheel (1886–1968), Jurist, Bürgermeister von Husum Johannes Schmid (1842–1923), Apotheker Karl Friedrich Schmidhuber (1895–1967), Ordinarius für Zahnheilkunde in Heidelberg Ferdinand Schneider (1911–1984), Chemiker, Ordinarius in Braunschweig Heinrich Schönfelder (1902–1944), Jurist, Herausgeber der Gesetzessammlung Schönfelder, Offizier der Luftwaffe des Deutschen Reiches Siegfried Schöpfer (1908–2007), Meteorologe Emil Schwamberger (1882–1955), Oberbürgermeister von Ulm (1919–1933) Hermann Schwörer (1922–2017), Jurist, Unternehmer und Politiker August Siemsen (1884–1958), Publizist und Reichstagsabgeordneter Karl Siemsen (1887–1968), Jurist und Landesminister Hermann Sihler (1883–1968), Rechtsanwalt und Landrat Karl Stolz (1913–2001), Landrat und Präsident des Württembergischen Sparkassen- und Giroverbandes Oswald Susset (1860–1945), Oberamtmann Hermann Tiemann (1899–1981), Ordinarius für Romanische Philologie an der Universität Hamburg und Bibliothekar Hermann Tjaden (1861–1952), Mediziner und Politiker, Direktor des Bakteriologischen, später Hygienischen Instituts in Bremen (als Fuchs ausgetreten) Gerd Uffelmann (1912–1999), Jurist und Pharmazeut Claus Vorster (1931–2012), Chirurg